Kristin Boese – Das große Interview: Warum sie aufhören will!

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Kristin Boese ist eine der erfolgreichsten Kitesurferinnen der Welt: Sollte Kitesurfen 2020 in Tokio zur olympischen Disziplin werden, möchte sie wieder voll angreifen. Im Interview erklärt sie, warum dann aber Schluss ist.
Kristin Boese Interview 2014. Foto: www.kitesurfworldcup.de

Nur noch drei Wochen dauert es, bis die besten Kitesurfer der Welt vom 1. bis 10. August in St. Peter-Ording an der Nordsee ihren Sieger unter sich ausmachen. Dort feierte Kristin Boese, die bislang ergfolgreichste deutsche Kitesurferin, in den letzten Jahre ihre größten Siege. Nach neun WM-Titeln und einem Eintrag ins Guinnesbuch der Rekorde spricht die Potsdamerin im Interview über ihre Auszeit vom Kitesurfen, den Kitesurf World Cup und Olympa 2020.

Kistin Boese im Interview

Was ist anstrengender, eine Hochzeit oder ein Kitesurf-Wettkampf?
In meinem Alter auf jeden Fall ein Kitesurf-Contest. Meine Hochzeit war wunderschön. Mit Familie und Freunden auf Hawaii zu feiern, war schon etwas ganz Besonderes. Das soll aber nicht heißen, dass mir das Kitesurfen keinen Spaß mehr macht.

Sie sind in Potsdam geboren, leben jetzt aber auf Hawaii. Das ist ein weiter Weg.
Als Kitesurferin kommt man viel in der Welt herum, ich bin bestimmt zig Mal um die Erde geflogen. Dabei habe ich Hawaii als Wassersport-Paradies kennengelernt und da mein Mann Kitesurf-Testfahrer ist, bot sich Maui als neues Zuhause an.

Wie fühlt man sich jetzt als Ehefrau ohne Wettkampf- und Reise-Stress?
Ich genieße es, ein bisschen häuslicher zu sein und nicht mehr ständig aus dem Koffer leben zu müssen. Ich habe aber fleißig an der 3. Auflage unseres Buches „Kiteboarden: Das Trainingsprogramm der Weltmeisterin Kristin Boese“ gearbeitet, das in diesem Sommer herauskommt. Und ich war natürlich auch kiten, denn hier hat man perfekte Bedingungen

Sie blicken auf eine lange Kitesurf-Karriere zurück. Würden Sie heute etwas anders machen?
Bei meinen ersten Kitesurf-Wettbewerben vor zwölf Jahren war alles neu und aufregend. Ich wäre aber gern noch ein bisschen früher in den absoluten Pionierzeiten des Sportes eingestiegen. Da hätte ich die gesamte Entwicklung mitverfolgen und vor allem im Freestyle länger in der Weltspitze mitfahren können. Ansonsten bin ich aber bisher mit meiner Karriere sehr zufrieden.

„…Kitesurfen ist vielseitiger geworden.“

Was hat sich beim Kitesurfen im Laufe der Zeit verändert?
Die Sportler sind heute wesentlich jünger als früher. Beim Freestyle haben inzwischen Leute in meinem Alter keine Chance mehr. Außerdem ist das Kitesurfen vielseitiger geworden, es gibt unterschiedliche Disziplinen, es kommt immer etwas Neues dazu.

Auch Jugend schützt vor Verletzungen nicht. Alle Freestyle-Weltmeister der Herren seit 2005 pausierten verletzungsbedingt oder haben wegen zahlreicher Blessuren sogar ihre Karriere beendet!
Freestyle ist unglaublich schnell und radikal geworden. Außenstehende denken, auf dem Wasser landet man weich. Aber das Gegenteil ist der Fall. Und wenn man einen Fehler macht, geht das im Profibereich sofort auf die Gelenke. Aber damit muss ein Sportler leben, der an oder teilweise über seine Grenzen geht.

Dabei ist das Material doch wesentlich besser geworden?
Das ist vor allem im Einsteigerbereich so. Heute kann man das Kitesurfen wesentlich leichter lernen als noch vor ein paar Jahren. Bei den Profis können mit dem modernen Equipment Wettkämpfe bei immer geringeren Windstärken ausgetragen werden. Und die Entwicklung geht ständig weiter.

„Das wird ein Erfolg.“

In gut drei Wochen findet der Think Blue. Kitesurf World Cup zum neunten Mal in St. Peter-Ording statt. Was haben Sie gedacht, als er 2006 Premiere feierte?
Ich war damals aktuelle Weltmeisterin im Freestyle und habe mich total gefreut, dass endlich ein World Cup in meinem Heimatland ausgetragen wird. Da die Act Agency, die ja schon seit Jahren den Windsurf World Cup auf Sylt erfolgreich veranstaltete, Organisator war, wusste ich: Das wird ein Erfolg.

Mehrmals wurde allerdings das Eventgelände überflutet …
… aber am nächsten Tag gingen die Wettkämpfe und das Programm weiter als wäre nichts geschehen. Über Nacht wurde praktisch alles ab- und wieder aufgebaut. Mit der Zeltstadt am Strand, dem tollen Rahmenprogramm und den Live-Konzerten hat der World Cup in St. Peter-Ording Maßstäbe gesetzt und ist nach wie vor der größte und am besten organisierte Kitesurf-Event der Welt.

Sie sind 2007 in St. Peter-Ording Weltmeisterin im Boardercross geworden. Sky Solbach, damals noch Ihr Freund, holte nur wenige Minuten nach Ihnen ebenfalls in dieser Disziplin den Titel. Was war das für ein Gefühl?
Vor Tausenden von Fans in meinem Heimatland Weltmeisterin zu werden, war unheimlich schön. Dass Sky dann auch noch den Titel geholt hat, war eigentlich unglaublich. Es gibt wohl kaum ein Paar, das innerhalb so kurzer Zeit je einen WM-Titel in der gleichen Disziplin gewonnen hat.

Nach vielen Anläufen soll das Kitesurfen 2020 in Tokio eine olympische Disziplin werden?
Schon 2016 sollte das passieren, wurde aber dann wieder gecancelt. Für mich war das gar nicht so schlecht, denn anstatt zu trainieren konnte ich heiraten, ein Haus bauen und eine Auszeit nehmen. Falls Kitesurfen in Tokio olympisch wird, steht eine Racing-Disziplin auf dem Programm und da können Sportlerinnen auch in meinem Alter mit den Jungen mithalten. Ich könnte mir durchaus vorstellen, mich für ein solches Großereignis in Top-Form zu bringen. Es wäre für mich ein Traum und der krönende Abschluss meiner Karriere, für Deutschland an Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen.

Der Kitesurf World Cup in St. Peter-Ording ist das größte Kitesurf-Event der Welt. Am Ordinger Strand geht es in den Disziplinen Slalom und Freestyle um Weltranglistenpunkte und ein Gesamtpreisgeld von 47.000 Euro. Als Teil PKRA World Tour ist der Kitesurf World Cup St. Peter-Ording zugleich der einzig Stopp in Deutschland.

Weitere Informationen zum Event sind auf der Homepage des Kitesurf World Cup in St. Peter-Ording & von Kristin Boese.

Interview: Think Blue. Kitesurf World Cup

Foto: www.kitesurfworldcup.de

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